| Schweden entwickelte sich zu einem modernen Wohlfahrtsstaat im Laufe des 20. Jahrhunderts. Dies wurde durch eine günstige soziale und wirtschaftliche Entwicklung in den nordischen Ländern möglich. Vom späten 19. Jhrd. an entwickelten sich die nordischen Länder von Agrarstaaten zu voll industrialisierten Nationen. Parallel zu dem wirtschaftlichen Aufschwung wurden demokratische Institutionen und der Parlamentarismus eingeführt. | Das Parlamentsgebäude. Rechts davon das Auswärtige Amt und dahinter die Botschaftskanzlei. Photo: SIS |
| Der Parlamentarismus wurde in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts in Schweden eingeführt. 1907 unterzeichnete man eine Wahlrechtsrefom und das allgemeine Wahlrecht wurde rechtswirksam, jedoch nur für Männer. Diese Reform war nichtsdestotrotz ein Kompromiss und nur der Anfang der Demokratisierung. Die drei wichtigsten politischen Gruppierungen waren zu dieser Zeit die Sozialdemokraten, die Liberalen und die Konservativen. Die Diskrepanz der politischen Entwicklung in den nordischen Staaten führte zu politischen Spannungen in derUnion zwischen Schweden und Norwegen, da Norwegen der Vorbote der Demokratie war. Die Situation verblieb sehr angespannt bis zur Auflösung der Union im Jahr 1905. Vom 19. Jahrhundert an bis zum Ausbruch des 1.Weltkrieges war der Parlamentarismus in Schweden vorherrschend. Zuvor hatte der König nach der Wahl entschieden aus welchen Mitgliedern die Regierung bestand, doch nun akzeptierte er für gewöhnlich die Entscheidungen des Parlaments. Der 1. Weltkrieg1914 brach der Krieg aus. Schweden verkündete seine Neutralität. Trotzdem sympathisierten viele der gehobenen Klasse z.B. Offiziere und Beamte mit den Deutschen. Auch die schwedischen Sozialdemokraten pflegten ihre Kontakt zu den deutschen Parteikollegen. Dies änderte sich jedoch im Laufe des Krieges und Liberale und Sozialdemokraten sympathisierten schnell mit England. Während des Krieges unterstützten offiziell alle Parteien im Parlament die Neutralitätspolitik und legten ihre politischen Uneinigkeiten die meiste Zeit beiseite. In den ganzen Kriegsjahren verblieb Schweden neutral. In den ersten Kriegsjahren exportierte Schweden grosse Mengen Lebensmittel an Deutschland. Doch gleichzeitig erschwerten Kriegsbegierige durch ihre Blockaden den Import. Daraus resultierten Instandhaltungsprobleme. 1917 gab es eine Missernte, welche zusammen mit dem Rückgang der Importe beinahe eine Hungersnot auslöste. Dank eines Abkommens mit den Allierten, welches den Schweden erlaubte Lebensmittel und Nachschub zu importieren, konnte dies verhindert werden. Die russische Revolution 1917 schockierte Schweden genauso wie den Rest der Welt. Der Krieg und die harten Zeiten lieferten einen fruchtbaren Grund für die Kommunisten. Die kommunistische Propagande hatte sich unter einigen Soldaten im Krieg genauso wie in Russland verbreitet. Doch in Schweden führte dies nicht zur Revolution. Aus einer Fraktion des linken Flügels der Partei der Sozialdemokraten sollte sich stattdessen später die Kommunistische Partei Schwedens bilden. Aus der Wahl 1917 zur zweiten Kammer (vergleichbar mit unserem Bundestag) gingen die Sozialdemokraten und die Liberalen als Sieger hervor. Diese wollten die Demokratisierung des parlamentarischen Systems beschleunigen. Der König war immer noch abgeneigt und versuchte durch die Ernennung von reformabgeneigten Premieministern, welche die Regierung bilden, den Prozess zu verlangsamen. Diese Regierungen waren natürlich schwach und ohne Unterstützung. Schlussendlich führte dies zu einem Regierungszusammenschluss zwischen Sozialdemokraten und Liberalen. Die neue Regierung beschloss recht schnell eine Verfassungsreform in Richtung allgemeines Wahlrecht. Letztendlich war es den Frauen zum ersten Mal in den Wahlen von 1921 erlaubt zu wählen. Die Zeit zwischen den KriegenIn den ersten Jahren der Zwanziger war Schweden, gleich dem Rest der Welt, stark von den Folgen der Depression betroffen. Die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts wurde dagegen von wirtschaftlichem Aufschwung gekennzeichnet. Anstelle von Konjunkturschwankungen dauerte die Industrialisierung und Modernisierung Schwedens an. Die industrielle Produktion wuchs konstant dank Rationalisierungen und dem Gebrauch moderner Techniken. Von 1925 bis 29 wuchs die industrielle Produktion mit ganzen 35%. Gleichzeitig wie die Verstädterung fortsetze wuchsen die Städte und ihre Bevölkerungszahlen. Aber ebenso reduzierte sich die Zahl der Landarbeiter. Die Depression und die schwierige wirtschaftliche Situation waren die Auslöser für 9 verschiedene Regierungen in nur 13 Jahren; 1920 bis 1933. Im Jahre 1921 wurden die Konservativen mit annähernd 25% der Stimmen gewählt. Diese konzentrierten sich auf die Wirtschafts und Verteidigungsfragen. Ausserdem warnten sie die Bevölkerung mit Hilfe des russischen Beispiels vor den Sozialdemokraten. Die Liberalen und die landwirtschaftlichen Parteien waren erfolgslos in der Wahl, doch die Sozialdemokraten konnten 36% der Stimmen ergattern. Ihr Parteivorstand, Hjalmar Branding, war ein Anhänger des Völkerbunds und glaubte an dessen konfliktlösendes Potential. Dies führte 1925 zu der Entscheidung die Ausgaben für das schwedische Militär drastisch zu kürzen. Ein anderes wichtiges Anliegen war den Sozialdemokraten das Bildungssystem. Nach ihrer Auffassung war dies grundlegend im Kampf gegen die Klassenunterschiede. Gleizeitig gewannen auch die Gewerkschaften an Einfluss und wurden zu einem grossen Machtfaktor in der Gesellschaft. Zu dieser Zeit wurde das "schwedische Modell" eingeführt. Aufgrund der hohen Arbeitslosenrate formten die Sozialdemokraten 1932 eine neue Richtlinie in ihrer Politik. Die Arbeitslosigkeit sollte durch das Schaffen von sinnvollen Arbeitsplätzen von Seiten des Staates bekämpft werden. Dieser Schritt sollte die Wirtschaft beleben und neue Arbeitsstellen schaffen, ganz im Sinne von Meynard Keynes. Doch dies führte auch zu einer enormen Steuererhöhung. Durch die Unterstützung der "Bauernpartei" konnten die Sozialdemokraten für lange Zeit ihre Wirtschaftspolitik durchführen ohne zu viel Kompromisse im Parlament schliessen zu müssen. Ein wichtiger Bestandteil des "schwedischen Modells" war das Abkommen von Saltsjöbaden, das vorsah dass Gewerkschaftsbund und Arbeiterverbände ihre Streitigkeiten untereinander lösen sollten. So wurden Konflikte und Streiks vermieden, welche in früheren Zeiten gewöhnlich waren. Der zweite WeltkriegAls der zweite Weltkrieg 1939 ausbrach stand es schlecht um Schwedens Verteidigung, hauptsächlich wegen der 1925 durchgesetzten Truppenreduzierung. Dies führte zu der Notwendigkeit einer sofortigen Wiederaufrüstung. Diese sollte den gesamten Krieg hindurch fortsetzen. Das Hauptanliegen für die Schweden war die Frage wie man neutral bleiben konnte. Viele teilten die Auffassung dass, falls Dänemark und Norwegen von den Deutschen besetzt werden würde, Schweden keine Chance hätte sich herauszuhalten. Eine Koalition aller Parlamentsparteien, mit Ausnahme der Kommunisten, wurde gebildet. Schweden wurde nie von den Deutschen angegriffen. Dies geschah wohl aus dem einfachen Grund dass Deutschland nie einen Grund hatte anzugreifen. Deutschland war abhängig von dem schwedischen Eisenerz aus den Minen Nordschwedens. Während des ganzen Krieges gab es keine Schwierigkeiten für die Deutschen an das Erz zu gelangen. Schweden belieferte Deutschland ausserdem mit Kugellagern, nützlich für deren Produktion von Tanks und Flugzeugen. Deutsche Truppen wurden über das schwedische Schienennetz nach Norwegen und Finnland transportiert. Nach der deutschen Niederlage in Stalingrad veränderte sich Schwedens Politk gegenüber Deutschland. Die Truppentransporte zum Bespiel wurden gestoppt. Nach dem Krieg wurde diese Fügsamkeit gegenüber den Deutschen vielfach diskutiert und kritisiert. Zu damaliger Zeit sah man es jedoch als eine Notwendigkeit an, um eventuelle Konfrontationen mit Deutschland zu vermeiden. Doch es gab Schweden die im Krieg Stellung bezogen. Als 1939 Finnland von Russland angegriffen wurde verteidigten einige Tausend freiwillige Schweden Finnland. Schweden versorgte überdies Finnland mit Kriegsmaterialien. Der bekannteste Schwede, der einen aktive Rolle während des Krieges spielte, war ohne Zweifel Raoul Wallenberg. Zum Ende des Krieges rettete er tausenden Juden in Ungarn das Leben. Die Zeit nach dem 2. WeltkriegAls der Krieg beendet war befand sich Schweden in einer recht positiven Situation. Die Industrie war unbeschädigt geblieben und bereit die Produkte herzustellen, welche so verzweifelt im verwüsteten Europa gebraucht wurden. Daraus entstand ein wirtschaftlicher Aufschwung in Schweden, ein Aufschwung der die schnelle Entwicklung des schwedischen Wohlfahrtstaates in den 50ern und 60ern möglich machte. Den beherrschenden Einfluss auf die Politik hatten die Sozialdemokraten. Diese wollten den öffentlichen Sektor ausweiten. In den Fünfzigern bildeten diese eine Koalition mit der schwedischen "Bauernpartei". Die Folge der sozialdemokratischen Politik zu einem Wohlfahrtsstaat finanziert von Steuereinnahmen resultierte in dem ständigen Anstieg der Steuern. Diese Methode wurde stark von den Konservativen kritisiert. Die grössten politischen Auseinandersetzungen in den 50ern gab es bezüglich des staatlichen Rentenergänzungs-Entwurfs. Bei dieser Auseinandersetzung trugen die Sozialdemokraten und der Gewerkschaftsbund, die für den neuen Rentenentwurf stimmten, den Sieg davon. Somit konnten die Sozialdemokraten mit ihrem Projekt der Ausweitung des öffentlichen Sektors fortfahren. Die soziale Reformpolitik wurde fortgesetzt. Zu Beginn der 70er reduzierte sich das wirtschaftliche Wachstum gradweise. Die Situation verschlechterte sich noch mehr wegen der schlechten Wirtschaft in Europa und den Vereinigten Staaten. Die Nachfrage nach schwedischen Produkten auf dem internationalen Markt sank. Die Stahl- und Schiffindustrie wurden beispielsweise stark vom schwedischen Staat subventioniert. Im Jahre 1974 begann der sozialdemokratisch regierte Staat Geld zu leihen um die private und öffentliche Konsumption aufrechtzuerhalten. Auch die Konservativ/Liberale Koalition, die im Jahre 1976 an die Macht kam, machte weiter Schulden. Zu Anfang der 80er waren die Schulden und die Importe grösser als der Profit und Export des Landes. Damit begannen die finanziellen Probleme, unter denen Schweden auch heute noch zu leiden hat. Die NeutralitätspolitikWährend des 2. Weltkrieges war es Schweden gelungen Neutralität zu bewahren. Eine Kombination aus politischer Geschicklichkeit und reinem Glück ermöglichte dies. Nach dem 2. Weltkrieg und in Anbetracht des Kalten Krieges kam die Frage auf ob Schweden sich der NATO anschliessen oder Neutralität bewahren sollte. Zuvor, im Jahre 1948-1949, hatte es Diskussionen über das Erschaffen einer nordischen Verteidigungsallianz gegeben. Doch durch den NATO-Beitritt Norwegens und Dänemarks wurden diese Pläne zunichte gemacht. Eine schwedische NATO Mitgliedschaft wurde besonders von einigen Liberalen vorgeschlagen. Zwischen den schwedischen Parteien herrschte bald eine Übereinstimmung bezüglich der Neutralitätsfrage bei Kriegsausbruch. Diese Doktrin war de facto, nicht de jure, welches bedeutet dass Schweden die Freiheit besitzt ihre Neutralitätspolitk nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Im Vergleich gesehen steht z.B. bei den Österreichern die Neutralität in der Verfassung. Die Absicht dieser Doktrin war es Schweden aus jeder Art von Allianzen in Friedenszeiten herauszuhalten, um Neutralität in einer Kriegssituation bewahren zu können. Die WehrpflichtSeit 1901 ist jeder Mann zwischen 18 und 47 durch das Gesetz zur allgemeinen Wehrpflicht verpflichtet. Mit 18 Jahren wird man zum Wehrdienst einberufen, dort wird entschieden ob man für das Militär tauglich ist. Anschliessend steht die Einteilung an: Armee, Luftwaffe oder die Marine. Mit 20 wird man einberufen und die Grundausbildung dauert zwischen 7.5 und 15 Monaten, je nach Tauglichkeit. Nach der Grundausbildung wird man regelmässig zu Auffrischungskursen einberufen. 750 Jahre Geschichte in Stockholm | Die Wikinger | Die Geburt des schwedischen Nationalstaates | Die Zeit der Grossmacht 1625-1718 | Schweden im 18. und 19. Jahrhundert | Schweden im 20. Jahrhundert |
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